RP: Bürger fühlen sich bei A1-Diskussion veräppelt

Vertreter von Straßen.NRW haben am Dienstag mit Bürgern und Gegnern über die Pläne zum Ausbau der Autobahn 1 diskutiert. Dabei ging es auch um den Eingriff in die Deponie Dhünnaue.

Es ging größtenteils sehr gesittet zu, als am Dienstagabend Vertreter von Straßen.NRW – um Chefplaner Thomas Raithel und Altlastexpertin Ingrid Obernosterer – auf viele interessierte Bürger und Gegner der geplanten A1-Brücke sowie den dafür nötigen Eingriff in die Deponie Dhünnaue aufeinandertreffen.

Die Abendgestaltung in der Bundeshalle Bürrig sah zunächst kurze, mündliche Vorträge von Raithel und Obernosterer vor. Im Anschluss sollte an verschiedenen Orten in der Halle platzierten Stellwänden in Kleingruppen diskutiert werden – diese Idee allerdings sorgte für viel Unmut unter den Zuhörern. Die Präsentation war bereits beendet und verlief größtenteils störungsfrei – bis auf einige ungehaltene Zwischenrufe des Grünen-Mitglieds Klaus Wolf, der durch einen Mann im Publikum zur Ordnung gerufen werden musste.

Da meldete sich Manfred Schröder, im Vorstand des „Netzwerk gegen Lärm“, und konfrontierte die anwesenden Planer nach einem langen Monolog mit dem, was wohl vielen Besuchern auf den Lippen brannte. „Warum wollen Sie die offene Diskussion verhindern?“, sagte er erbost – und erntete viel Applaus. Die Antwort gab er sich gleich selbst: Die Behörde wolle den Widerstand kleinhalten, vermutete er.

Zu diesem Zeitpunkt hatte bereits ein kurzer, öffentlicher Austausch stattgefunden – allerdings immer mit dem Hinweis, die Fragerunde sei in absehbarer Zeit beendet, anfänglich sei eine solche schließlich gar nicht geplant gewesen. Dem Bürgerbegehren nach einer öffentlichen Diskussion kam Straßen.NRW dann aber doch deutlich länger nach.

Und obwohl Raithel und Obernosterer sich vieler Vorwürfe entgegensahen, blieben sie ruhig und beantworteten sämtliche Fragen – auch wenn sich im Publikum ob der aus Sicht vieler Besucher angeblichen Richtigkeit der Aussagen gestritten werden durfte. So schlugen sowohl Klaus Wolf als auch Erhard Schoofs (Bürgerliste) etwas über die Stränge, ließen sie Expertin Obernosterer und Chefplaner Raithel doch oftmals nicht aussprechen – teilweise zum Unmut der Zuhörer.

Die sorgten sich vor allem um die Richtigkeit der Zahlen, die um die giftigen Stoffe in der Deponie aufgestellt wurden. Nach Berechnungen der Behörde sollen 17.000 Quadratmeter kontaminiertes Material abgebaut werden – das sind acht Prozent des Gesamtabbaus. „Die Materialen und Gifte sind vermischt, das können Sie gar nicht beherrschen“, sagte Wolf. Die Vermischung bestätigte auch Obernosterer, erklärte aber, auch die Deponie habe einen Werdegang, der nachvollziehbar sei. „Daran kann man konstruktiv ermitteln, welche Schicht aufgenommen werden muss“, betonte sie.

Auch wenn sowohl Obernosterer als auch Raithel auf jede Frage eine passende Antwort fanden, fühlte sich der Großteil der Besucher – gelinde gesagt – veräppelt. „Was sollen diese Abende bringen“, fragte ein Mann. „Wir diskutieren über ein Projekt, das ohnehin schon lange abgeschlossen ist“, resümierte er weiter. (RP/Tobias Brücker)

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