RP | Zelt soll gegen Giftstaub aus Deponie schützen

In den nächsten Tagen will Straßen.NRW mit den Aushubarbeiten in der Deponie beginnen. Bereits zu Beginn wird dabei in ein der am stärksten belasteten Bereiche eingegriffen. Diese sind u. a. hoch mit Chrom-VI-Verbindungen belastet die bereits in geringsten Mengen hoch krebserregend sind.
Welche Schutzmaßnahmen Straßen.NRW vorgesehen hat wurde am Montag der Presse vorgestellt. Hierzu einige kritische Gedanken von unserer Seite.
  • Als Hauptsicherung wurde ein 70 x 20 m großes Zelt aufgebaut in dem die Arbeiten stattfinden. Augenscheinlich handelt es sich hierbei um eines der üblichen Zelte wie sie auch bei Veranstaltungen wie Schützenfesten oder Karneval zum Einsatz kommen. Es handelt sich hierbei also nicht um einen luftdichten Abschluss. Auch wenn eine Luftabsaugung existiert, kann damit nicht 100% sicher gestellt werden, dass keine Gase entweichen. Sollte z. B. die behelfsmäßige Stromversorgung der Baustelle unterbrochen werden, fällt auch die Absaugung aus. Sollten größere Mengen Gas entweichen oder es gar eine Explosion/Verpuffung geben, könnten durch den Überdruck ebenfalls Gase entweichen.
  • Im Presseartikel der RP heißt es „Eine aufwendige Messtechnik mit Gas- und Feinstaubanzeigern schlage sofort Alarm, sobald Grenzwerte überschritten würden. 500 verschiedene giftige Gase könnten identifiziert werden.“ Dies liest sich wie als wäre eine Permanentüberwachung auf 500 giftig Gase möglich bzw. alle gefährlichen Gase die aus der Deponie austreten können.
    Tatsächlich werden jedoch nur 6 Gase überwacht, Methan, Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, Stickoxide, Schwefeldioxid und Sauerstoff. Also lediglich gängige Gase wie sie auch im Straßenverkehr auftreten. Hier geht es vielmehr darum die Luftqualität nach Arbeitsstättenverordnung im Zelt zu überwachen, da es sich um einen geschlossenen Raum handelt in dem so wohl Arbeitsmaschinen betrieben werden als auch Personen arbeiten. Also steigt die Belastung mit Abgasen zu stark oder sinkt der Sauerstoffgehalt. Ähnliche Messungen finden in jeder öffentlichen Tiefgarage statt.
    Für alle weiteren Werte wird auf ein weiteres Gerät verwiesen. Hierbei handelt es sich vermutlich um einen Gaschromatographen. Dieser lässt allerdings keine permanente Überwachung sondern immer nur Einzeluntersuchungen auf bestimmte Gase zu.
  • Des Weiteren wurde auch keine Absicherung Richtung Rhein errichtet, auch lassen die Bilder den Schluss zu, dass keine vollständige Abdichtung des Zeltes erfolgt ist. So kann es bei stärkeren Regenfällen z. B. zu einem Wassereinbruch ins Zelt kommen, von dem auch der Verladebereich betroffen wäre. Ein Ausschwämmen von kontaminiertem Material in die Kanalisation, das umgebende Gelände oder den Rhein wäre dann möglich. Genauso unklar bleibt, wohin das Wasser abfließt, was bei zu trocknem Boden verrieselt wird damit kein Staub aufgewirbelt wird.
  • Von der beschriebenen Reinigungsanlage für die LKW wurden, ggf. beabsichtigt, keine Bilder veröffentlicht. Wie effektiv diese sind kann also nur vermutet werden. Können alle Stellen am Unterboden und den Reifen der LKW erreicht werden? Hierfür müsste ggf. jemand unter die Fahrzeuge gelangen? Existiert einen entsprechende Bühne/Auffahrrampe für Fzg. mit einem Gesamtgewicht von ca. 16-26t? Was passiert mit den Abwässern die zur Reinigung der Fahrzeuge verwendet werden?
    Hier dürften bei 5.500t Aushub ca. 550 – 800 Einzelfahrten und damit eine nicht unerhebliche Menge kontaminierte Reinigungsabwässer zusammen kommen.
  • Laut Straßen.NRW sind die Kabinen der eingesetzten Bagger angeblich luftdicht. Zumindest auf die auf dem Pressetermin zusehenden Bagger scheint dies jedoch nicht zuzutreffen.

Brückenbaustelle an der A1: Zelt soll gegen Giftstaub aus Deponie schützen

Wie ein höchst geräumiges Festzelt wirkt die 70 mal 20 Meter große und neun Meter hohe Einhausung. Drei Abluftschläuche, die Riesenschlangen gleichen, liegen auf dem Boden. Sie sind bereits angeschlossen und surren vor sich hin. Die Schläuche transportieren die Abluft zu sechs Containern mit Aktivkohlefiltern außerhalb des Zeltes.

Giftmüll in Leverkusen: Baustelle an der A1-Rheinbrücke wird maximal geschützt

Es geht los im Schatten der Rheinbrücke. Ein 70 Meter langes Zelt ist aufgebaut. Es überspannt eine Baugrube und eine Schleuse, drum herum stehen Filter, Generatoren und ein Kameraturm. Diese Baustelle wird streng bewacht. Das muss sein, denn das Regenrückhaltebecken, das hier in den nächsten Wochen gegraben wird, liegt in der Giftmülldeponie Dhünnaue.

 

3 Kommentare

  1. who cares sagt:

    Schonmal die Frage gestellt, warum nicht kritischer von Seiten der Presse mit dem Thema umgegangen wird? Warum so ruhig? Das die Massnahmen ein Placebo sind und nur die aufgebrachte Bevölkerung in Sicherheit wiegen soll und man daran nichts ändern möchte, weil es in Interesse vieler einflussreiche Personen und Gesellschaften ist?

    Ein weiterer Punkt, fragt euch mal, warum in dem Zelt kein Unterdruck herrscht? Müsste, wenn man richtig absaugt. Das Alles ist echte Verarsche und die kommen noch damit durch.

  2. […] Quelle: RP | Zelt soll gegen Giftstaub aus Deponie schützen | LEV muss leben! […]

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