Leserbrief zu KStA Artikel „Verstärkung der A59-Brücke unnötig?“ (27.02.2019)

Für 2,5 Millionen Euro hat Straßen NRW die Wupperbrücke verstärkt – damit die Autobahn dreispurig wird.

Fehleinschätzungen haben Folgen

Zu „Verkehrszahlen wurden falsch kalkuliert“ vom 27.02.2019

Man ist versucht, sich an den Kopf zu fassen und auszurufen: Das kann doch nicht wahr sein! Wie kann einem Unternehmen, das mit Fachleuten seine milliardenschwere Planung zum Brückenneubau in Leverkusen fast wie eine römische Autorität mit Unfehlbarkeitsanmutung vertritt, eine derartige Fehlplanung unterlaufen? Bitte, bitte: Nicht lachen! Es ist viel zu traurig!

Ein kleiner Rückblick: Bei der Erörterung zum Planfeststellungsbeschluss dieser Baumaßnahme Mitte 2016 haben wir eine detailliert ausgearbeitete Rheinquerung mittels Tunnel (Kombilösung) vorgelegt. Sie zeigte auf, dass mit ihr alle geforderten Verkehrsbeziehungen erfüllt werden können. Sie belegte weiterhin, dass mit der Tunnelbohrtechnik aus Deutschland (Die Firma Herrenknecht aus dem Schwarzwald ist Weltmarktführer und sieht keinerlei Probleme für eine Realisierung) schneller und mit weniger und zeitlich kürzeren Verkehrsstörungen eine Realisierung möglich ist. Außerdem – und das ist das Wichtigste – schützt sie die Bevölkerung für die nächsten 100 Jahre vor Erkrankun-gen durch Feinstaub, Abgasen und Autobahnlärm.

Wir haben vehement gefordert, dass seitens des Bauherrn diese Variante detailliert ausgearbeitet wird. Ein Vergleich mit der geplanten Vorzugsvariante sollte dann ergeben, welches die wirklich bessere Alternative ist, die dann auch gebaut werden sollte.

Was geschah? Straßen NRW sah keine Notwendigkeit, irgendetwas Planerisches zu tun. Sie gaben einem Gutachter den Auftrag, die Verkehrsbeziehungen zu prüfen: Aber bitte ohne die Verbindung der A 542 von der A 3 zur A1 mit einzubeziehen. Diese Trasse ist ein wesentlicher Faktor der Kom-bilösung. Damit kam der bestellte Gutachter zu dem Schluss, dass bis zu 12.000 Fahrzeuge pro Tag sich zusätzlich im Stadtgebiet tummeln würden. Ein von uns beauftragter Verkehrsgutachter, Prof. Schreckenberg, stellte in seinem Gutachten fest: Die geforderten Verkehrsbeziehungen werden alle erfüllt – da die A542 ja existiert. (Und übrigens gerade erst neu aufgearbeitet worden ist.)

Am 10.11.2016 legte die Bezirksregierung Köln als Genehmigungsbehörde unter Az.: 25.3.3.2-2/15 als Ergänzung des PFB fest. „Schon wegen Nichterfüllung des absoluten Bewertungskriteriums „Er-haltung des Verkehrswertes“ ist die in der Klageschrift vorgeschlagene alternative „Kombilösung“ auszuscheiden.“ (S. 43 dieser Schrift)

Da das Bundesverwaltungsgericht davon absah, eigene Sachverständige mit der Prüfung divergie-render Sachstände zu beauftragen, wurden diese Aussagen zur Verkehrsbeziehung niemals gegenge-prüft.

Wie schreibt Ralf Krieger in seinem abschließenden Satz zu seinem Artikel: „Wenn man unbedingt nach einem Fehler bei Straßen NRW suchen wolle, dann sei das vielleicht die falsche Einschätzung der Verkehrszahlen, sagte der Sprecher.“

Dazu kann ich nur feststellen: So ist es wohl, und wenn so weiter gebaut wird, leiden unsere Nach-kommen weitere 100 Jahre an dieser falschen Einschätzung.

Immo Filzek, Leverkusen

Ursprünglicher KStA-Artikel vom 27.02.2019

1 Comment

  1. Ilka Jansen sagt:

    Man kann es tatsächlich nicht fassen, wieso StraßenNRW sich dermaßen anstellt und nicht in der Lage ist, die große Tunnellösung in Gang zu setzen, damit sie möglichst schnell fertig wird. Die Schweiz schaft es den St. Gotthard Tunnel zu bauen, in Essen gibt es seit Anfang der 50iger Jahre den Ruhrschnellweg, der unter der Stadt entlang führt und in Leverkusen stellt man sich an, als ließe sich so etwas nicht machen. Wenn man die Berichterstattung liest, könnte man verzweifeln!man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen zur Vernunft kommen!!!

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