The Lancet | Studie: Diabetes-Risiko steigt schon bei geringen Feinstaubkonzentrationen stark an!

Die weltweit renommierte medizinische Fachzeitschrit The Lancet berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe Planetary Health über eine Studien des Forschers und Epideminologen Benjamin Bowe und Kollegen über die Auswirkungen bereits geringer Feinstaubkonzentrationen auf Diabetes Erkrankungen.

Spline-Analyse von PM2.5 und das Risiko von Diabetes Die rote Linie ist der Risikoquotient. Die schwarzen Linien sind die 95% CIs. Ein Histogramm der Verteilung der PM2.5-Exposition wird im Hintergrund grau dargestellt. Der niedrigste PM2-5-Wert in der Analyse war 6.2 μg/m³ und diente als Referenz. © ,

Alamierende Kernaussage der Studie: Bereits sehr geringe PM2.5 Feinstaubkonzentrationen, im einstelligen Bereich, lassen das Diabetes-Risiko deutlich ansteigen. Dies ist erheblich weniger als es die Luftqualitätsrichtlinie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit 10 μg/m³ angibt. In Deutschland liegt der Grenzwert  aktuell sogar noch bei 25 μg/m³, welche an vielen Stellen überschritten werden.

Wir haben den Artikel im folgenden für unsere Leser übersetzt. Den Link zu englischen Original Fassung ist am Ende des Artikels zu finden.

Luftverschmutzung und Diabetes: Zeit aktiv zu werden!

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen, Krebs und andere nicht übertragbare Krankheiten gehören zu den häufigsten Ursachen für Morbidität und Mortalität in Ländern niedrigen, mittleren und hohen Einkommens, und The Lancet Taskforce1 hat sich kürzlich für Investitionen in die Prävention nicht übertragbarer Krankheiten ausgesprochen. In The Lancet Planetary Health berichten Benjamin Bowe und Kollegen2, dass die Exposition gegenüber PM2.5-Luftverschmutzung tatsächlich ein Risikofaktor für Diabetes ist. In ihren angepassten Modellen war ein Anstieg von 10 μg/m3 bei PM2.5 mit einem erhöhten Diabetesrisiko verbunden (HR 1-15, 95% CI 1-08-1-22). Es gibt die Möglichkeit von falschen Assoziationen in Beobachtungsstudien, aber eine der Stärken der Studie von Bowe und Kollegen ist der Einsatz von Negativkontrollen. Mangelnde sportliche Aktivität ist ein Risikofaktor für Diabetes, und eine der Einschränkungen der Studie von Bowe und Kollegen ist die fehlende Anpassung an sportliche Aktivitäten. Was auch immer die Stärken und Grenzen sind, die Studie von Bowe und seinen Kollegen ist ein weiterer Aufruf etwas zu tun. Lebenswerte Städte wurden als Mittel zur Steigerung der Sportlichen Aktivität und zur Verringerung der Luftverschmutzung identifiziert, um das Ziel der nachhaltigen Entwicklung zu erreichen, die vorzeitige Sterblichkeit durch nicht übertragbare Krankheiten bis 2030 um ein Drittel zu senken.1 Im Folgenden werden einige der Maßnahmen und Interventionen beschrieben, die tatsächlich die sportliche Aktivität erhöhen und die Luftverschmutzung verringern könnten.

Eine Ciclovia in Medellín, Kolumbien, wo die Straßen Dienstagsabends, Donnerstagsabend, Sonntagsmorgens und an Feiertagen für Kraftfahrzeuge gesperrt werden. © ,

In einkommensstarken Ländern herrscht die Meinung vor, dass es keine sportlichen Aktivitäten gibt, die gesellschaftsweit erfolgreich sind.3, 4 Man braucht jedoch nur nach Lateinamerika zu schauen, um zu wissen, dass dieser Glaube falsch ist.5 In Kolumbien ist beispielsweise das Recht auf Sport und Bewegung in der Verfassung verankert. Die Ciclovía ist das Flaggschiffprogramm, bei dem die Straßen am Sonntagmorgen und an Feiertagen für Kraftfahrzeuge gesperrt sind und Bürgern für sportliche Aktivitäten zur Verfügung gestellt werden (Abbildung). Die Ciclovía in der Stadt Bogotá, Kolumbien, begann 1974 und wuchs nach und nach zu einem Wochenprogramm heran. An jeder Ciclovía in Bogotá nehmen durchschnittlich mehr als 1 Million Menschen aus allen Lebensbereichen teil, und die Gründe für die Teilnahme sind unter anderem Gesundheit, Spaß und Umweltschutz.5 Mehr als 40% der erwachsenen Teilnehmer berichten von mehr als 3 Stunden mäßiger bis starker körperlicher Aktivität während einer Ciclovía und die meisten Teilnehmer sagen, sie würden sich ohne die Ciclovía nicht bewegen.6 Die Kosten der Ciclovía in Bogotá werden hauptsächlich von der Gemeinde getragen5 und die Vorteile für diese „Wochenendkrieger“ sind u. a. eine 30%ige Reduzierung des Sterberisikos.7 Medellín, Bogotá, São Paulo und viele andere Städte in Lateinamerika haben Fahrrad-Verleih-Programme etabliert und die potenziellen Vorteile des Radfahrens von und zur Arbeit sind eine 40%ige Reduzierung des Sterberisikos;8 In diesem Zusammenhang ist es jedoch auch nötig mehr zu unternehmen, um Radfahrer besser von anderen Verkehrsteilnehmern zu trennen und damit die Verkehrstoten zu reduzieren.9

 

Es ist alarmierend, dass Bowe und Kollegen2 festgestellt haben, dass das Diabetes-Risiko bereits bei deutlich geringeren PM2.5-Feinstaub-Konzentrationen ansteigt als den vom der WHO-Luftqualitätsrichtlinie empfohlenen 10 μg/m³ (Anm. d. Redaktion der deutsche Grenzwert liegt aktuell sogar bei 40 μg/m³) . Kraftfahrzeuge sind eine der Hauptquellen der PM2.5-Partikel und der Übergang zu Elektrofahrzeugen ist dringend erforderlich. Dieser Übergang ist eine Herausforderung und die Verbesserung der Kraftstoffqualität ist kurzfristig wichtig. Es gibt Hinweise darauf, dass die größte Verringerung der Emissionen durch die Verringerung des Schwefelgehalts in Kraftstoffen erreicht werden kann.10 Die Einführung von Maßnahmen, die die Versorgung mit schwefelarmen Kraftstoffen gewährleisten, würde auch die Einführung von Abgaspartikelfiltern in den LKW-Flotten ergänzen, da die Wirksamkeit von Filtern von der durchschnittlichen Schwefelkonzentration abhängt.11 Auch Maßnahmen zur Begrenzung des Einsatzes von Kraftfahrzeugen müssen berücksichtigt werden. Pico y placa (d.h. Fahrverbote zur Hauptverkehrszeit und nach Nummernschild) in Lateinamerika, die ultra-niedrige Emissionszone in London, Großbritannien, und andere rotierende Fahrverbote könnten zur Verringerung der Luftverschmutzung beitragen, wenn auch nur kurzfristig.12

Mehr Forschung ist erforderlich, um die unabhängigen Verbindungen von sportlicher Aktivität und Luftverschmutzung mit Diabetes und anderen nicht übertragbaren Krankheiten zu ermitteln;2, 13 nichtsdestotrotz gibt es mehr als genug Beweise, um die Umsetzung von Maßnahmen und Interventionen zu rechtfertigen, die die körperliche Aktivität erhöhen und die Luftverschmutzung verringern könnten, wie Ciclovías, kostenlose Sport- und Bewegungseinrichtungen, Fahrrad-Verleih-Systeme, Elektrofahrzeuge, schwefelarme Kraftstoffe, Abgasfilter und Fahrverbote.

Wir erklären keine konkurrierenden Interessen zu haben.

The Lancet (zu Deutsch „Die Lanzette“) ist eine der ältesten medizinischen Fachzeitschriften der Welt, die ein Peer-Review einsetzen.

Originalartikel The Lancet – Planetary Health

 

 

 

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